Kontrakt mit den Kolonisten zu Jamburg

1.    Für die Ansiedlung bei der Stadt Jamburg wird uns unbeackertes Brachland mit dem besonderen Plan eines jeden Hofes überlassen.

2.    Jede Familie erhält laut Manifest sowohl Ackerland als auch Heuwiese, Weide und Waldstueck, insgesamt 35 Desjatinen Land, wobei jedes 210 rheinländische Fuss breit und 560 Fuss lang ist. Jedes Grundstück ist für vollständigen und erbfolgenden Besitz vorgesehen. Wir sind berechtigt das uns gegebene Land, das Moor und alle übrigen Teile, unabhängig in welchem Zustand sich diese befinden, nach unserem Belieben aufzuteilen, damit diese beackert, bearbeitet oder fruchtbar gemacht werden können. Dabei ist nicht nur für den eigenen Gewinn zu sorgen, es ist auch an das allgemeine Wohl zu denken. Es ist uns nicht gestattet dieses Land zu verkaufen noch zu verpfänden. Die Erbfolge betreffend, richten wir uns nach den hiesigen Regeln mit dem einzigen Unterschied, dass im Falle des Todes eines Erblassers, welcher  keinen rechtlichen Nachfolger hat, sein Land, Haus und alles übrige von ihm dem Dorfe zufällt, in dem der Verstorbene wohnhaft war. Für seine möglichen Schulden bürgen wir dann allesamt gegenseitig und bearbeiten dessen Ackerland weiter.

3.    Uns zugeteiltes Land teilen wir zur Bearbeitung nach unserem Belieben, aber auch gleich so, dass jedes Dorf nach dem Plane aus 25 Familien besteht. Wir haben damit für 100 Familien dementsprechend 4 Dörfer zu errichten. Speicher und Pferdeställe sind auf unsere Kosten vom Staat zu erbauen. Nichts, was der Plan nicht vorgesehen hat, ist von uns zu bauen. Wir sind damit einverstanden, daß die Häuser  450 Rubel kosten und gebaut werden.

4.    Das uns gegebene Land, wie es im 2. Punkt erwähnt ist, egal in welchem Zustand, ist von uns fleissig zu bearbeiten, ausser dem Fall, dass dieses unmöglich ist zu bewerkstelligen. Da uns in diesem Jahr das Land nicht zugeteilt wurde, muss uns dieses durch Ihre Hoheit auf jeden Fall im Frühjahr 1767 zugeteilt werden, dann aber ohne das oben aufgezeigte, schlechte unbrauchbare Land..

5.    Allen 100 Familien wird für den Gottesdienst nach unseren Gesetzen eine Kirche gebaut und der Pastor sofort für 5 Jahre mit dem Gehalt aus der Schatzkammer bezahlt. Ab dem 6. Jahr sind diese Kosten von uns zu tragen. Die Kirche ist von der Krone zu erbauen, jedoch ohne von uns eine Beteiligung für die Glocken, dem Turm und allem dazugehörigen zu fordern. Wir sind nur verpflichtet, dem Pastor ab dem 6. Jahr ein Gehalt von 400 Rubel jährlich zu zahlen. Dieses Geld ist von den Menschen unseres Glaubens zu entrichten, die in der Stadt oder in ihrer Nähe wohnen. Es muss für die Kirche auch einen Küster geben, der unter anderem unseren Kindern das Lesen und Schreiben beibringen soll. Sein Gehalt wird auch von der Schatzkammer für 5 Jahre gezahlt. Ab dem 6. Jahr wir ihm jährlich von jeder Familie 15 Kopeken gezahlt, darüberhinaus wird für jedes Kind, das er unterrichtet, jährlich noch 20 Kopeken gezahlt. Außerdem muss ihm der Pastor jährlich noch 10 Rubel vom eigenen Gehalt zahlen. Die Häuser, sowohl das für den Pastor, als auch das für den Küster, muss die Hohe Krone ohne unserer Beteiligung erbauen.

6.    Es ist uns gestattet für die Erledigung unserer häuslichen Angelegenheiten laut dem Manifest Ihrer Kaiserlichen Hoheit 10 priviligierte Jahre zu erhalten, so dass wir das Geld sowohl für den Hausbau als auch für unsere Ernährung in dieser Zeit nicht zurückzahlen müssen. Nach dieser Zeit versprechen wir der Hohen Krone dieses Geld in drei Raten ohne Zinsen zurückzuzahlen. Die Grundsteuer zahlen wir erst nach 13 Jahren, da wir 10 priviligierte Jahre haben und für unsere Schuldentilgung danach noch 3 Jahre benötigen. Deshalb sind die Grundsteuern erst nach Ablauf der 13 Jahre zu entrichten. Nach dem Ablauf der 13 Jahre versprechen wir alle Steuern ordentlich zu zahlen, hierfür bürgen wir gegenseitig. Diese Bürgschaft trifft nicht für diejenigen zu, die möglicher Weise geflüchtet sind und ihre Haushalte verlassen haben. Es trifft auch nicht für diejenigen zu, die durch Unglück zahlungsunfähig geworden sind. Für die Beschaffung des Notwendigsten müssen wir dem Komissar eine entsprechende Bescheinigung geben.

7.    Die 10 priviligierten Jahre beginnen laut dem Hohen Manifest ab dem 1. Januar 1767, dazu kommen noch weitere 3 Jahre, insgesamt somit 13 priviligierte Jahre. Unsere Schulden zahlen wir in 3 Raten in dieser Zeit; mehr wird von uns nicht verlangt. Nach Ablauf der 13 priviligierten Jahre zahlen wir jährlich für jede Desjatine Ackerland, Weide und Wald 1 Rubel und 22 ½ Kopeken, hierfür bürgen wir gegenseitig, wie es bereits im  Punkt 6 festgehalten ist. Für die 13 priviligierten Jahre sind keine weiteren Steuern zu entrichten, noch sind Arbeiten jeglicher Art für die Krone zu erbringen. Dazu erhalten wir noch Schutz vor jederlei Kränkungen und Beleidigungen.

8.    In den genannten Dörfern ist eine Ansiedlung nicht erlaubt, ausser es handelt sich um Ansiedler deutscher Abstammung und gleichen Glaubens. Dieses gilt auch für die Kinder unserer Familien, die heiraten und eigene Haushalte gründen wollen. Ihnen ist es in unseren Dörfern gestattet sich anzusiedeln, sofern es ein freies Grundstück gibt. Falls kein freies Grundstück verfügbar ist, soll dort gesiedelt werden, wo solche Möglichkeit dazu besteht. Es wird Ihnen für die Einrichtung eines Hausstandes ein Darlehen gegeben, ausgenommen hiervon sind Aufwendungen für die Ernährung. Es ist uns untersagt, unsere Kinder woanders anzusiedeln, solange jede Familie mindestens 4 arbeitetende Personen aufweist. Falls die Kinder heiraten, so sollen auch sie die Schulden der Krone zurückzahlen. Nach dem Ablauf von 13 priviligierten Jahren müssen wir der Hohen Krone das uns gegebene Geld zurückzahlen. Die Eltern sind verpflichtet, diese Kinder ohne Mietenzahlung  bei sich wohnen zu lassen.

9.    Nach unserer Ankunft in Jamburg und solange uns die dort vorhandenen Häuser nicht zugeteilt sind, erhalten wir von Hoher Krone bis zum 1. September 1767 genug Brot für jede Familie zur Ernährung.

       Solange wir keinen Gewinn aus unserer Landwirtschaft erzielen, wird uns für den Kauf von Pferden, Kühen, Schafen, häuslichen und landwirtschaftlichen Werzeugen ein Darlehen von 300 Rubel gegeben.  Dieses Darlehen steht aber nicht für alle sofort bereit. Es steht aber immer Geld bereit, um dafür das Notwendigste kaufen zu können.

       Für alles übrige auf dem uns gegebenem Land, für welches keine Zurückzahlung vereinbart ist, können wir das Geld nach unserem Belieben und Vorhaben verwenden, wofür wir gegenseitig bürgen.

       Die Dorfgemeinschaft  braucht für den Fall gezahlte Darlehen nicht erstatten, sofern es in unseren Dörfern jemanden gibt, der seinen Haushalt vernachlässigt, dieses unserem Schulzen bekannt ist und trotzdem keine Änderung herbeigeführt wurde.

       Betreffend der oben erwähnten Zahlung von Ernährungs-Geld zum 1. September 1767, ist hier zu berücksichtigen, dass die bis dahin nicht erfolgte Landvergabe nicht in unserer Verantwortung liegt. Das Land wird somit erst im nächsten Jahr für eine Bewirtschaftung zur Verfügung stehen. Dementsprechend wird in diesem Jahre noch eine Roggen-Aussaat  erfolgen, so dasss eine Ernte erst im Jahre 1768 erfolgen kann. Wir benötigen deshalb für unseren Haushalt sowie unserer Ernährung eine Geldzuwendung. Darum bitten wir Kron-Kolonisten ergebens um das, was für uns üblich ist.

10.  Dem Fluss Luga entlang, wo unser Land liegt, ist nur uns und nicht Fremden erlaubt zu  fischen und zu jagen. Die Verpachtung von Flächen erfolgt nach den hiesigen Höchsten Gesetzen. Es ist uns auch erlaubt, später Mühlen zu bauen, jedoch erst nach vorheriger Erlaubnis. Bei der Brennholz-Beschaffung muss darauf geachtet werden, daß beim Brennholzverkauf  innerhalb unseren Grenzen immer genug Brennholz für alle Haushalte vorhanden ist.

11.  Da wir die russische Sprache nicht beherrschen, ist für notwendige Ankäufe, Amtshandlungen und für die allgemeine Verwaltung ein uns genehmer deutscher Schulze oder Vorsteher auf Kosten der Krone einzusetzen, dieser hat solange im Amt zu bleiben, bis wir durch ihn erhaltenes Geld für unsere Ansiedlungen vollständig zurückgezahlt haben. Dieser wird bis dahin vom Staat bezahlt.

12.  Es ist uns weiterhin erlaubt, die von uns erwirtschaftete und gehörende Ware aus unseren Haushalten zu verkaufen, und zwar dort, wo es für uns genehm ist. Die hiesigen Gesetze und die Gebräuche der Einwohner werden wir berücksichtigen .

13.  Laut diesen Punkten sind wir verpflichtet für uns und unsere Nachkommen alle Schulden zurückzahlen und nicht unter nichtigem Vorwand unseren Haushalt verlassen. Wir haben uns auf den abgeschlossenen Kontrakt zu stützen, weitere erscheinende  Höchste Manifeste sind ausgeschlossen. Falls Änderungen notwendig sind, sind diese über die Ausländische Kanzlei zu regeln. Diese ist gehalten unsere Änderungen zu prüfen, zu erlauben und uns diese schriftlich zu bestätigen.

14.  Von der Stadt Jamburg ist zu entscheiden, wie die Strassenerhaltung, der Waldschutz und überhaupt wie polizeiliche Angelegenheiten, Hilfe-, Gerichts- und Strafmaßnamen geregelt werden. Dieses trifft auch für mögliche Streitereien zwischen uns Kronkolonisten und den hiesigen Einwohnern zu. Ausgenommen hiervon sind Angelegenheiten, die nur von der ausländischen Kanzlei erledigt werden können.

Am 19. November 1766 hat diesen Kontrakt der titularische Rat David Johann Rode abgeschlossen.

Der Bitte meiner Gemeinde folgend, erkläre ich in ihrem Namen, dass diese den oben aufgezeigten Kontrakt verlesen bekommen haben, allesamt und jeder für sich diesem zustimmen und dieses alle eigenhändig durch ihre Unterschriften bestätigen.

Unterschriften der Kolonisten:

* = verschiedene Namens-Schreibweisen

 

Nr. 1   Bergmann, Gerlach, Schulze
Nr. 2   Wengel, Georg, Schulze
Nr. 3   Illenseer* (Illenseher, Illenseer) , Johann, Schulze
Nr. 4   Ahmann*(Amann), Wolf Georg
Nr. 5   Englund, Baptist, Vorsteher
Nr. 6   Weininger, Johannes
Nr. 7   Paller* (Piller, Biller), Johannes Georg
Nr. 8   Winiler, Georg
Nr. 9   Polomin, Wenzelaus
Nr. 10 Bauer, Udalricus (Balthasar ?)
Nr. 11 Wagner, Simon
Nr. 12 Klein, Sebastian
Nr. 13 Schefner, Georg Michel
Nr. 14 Mesner* (Lisner), Michel
Nr. 15 Arth, Andreas
Nr. 16 Hofmann, Paulus
Nr. 17 Rippe* (Rappe), Paulus
Nr. 18 Wanscheid* (Weinscheid), Jacob
Nr. 19 Zeiter* (Zeiger), Johannes
Nr. 20 Regel, Johann Michel
Nr. 21 Keller* (Koehler), Adam
Nr. 22 Linge* (Lange), Leonhardt
Nr. 23 Hofmann, Conrad
Nr. 24 Lammert* (Lambert, Lampert, Lamport), Johannes
Nr. 25 Walther, Nicolaus
Nr. 26 Schellenberger* (Schellenberg, Schellemberg, Schilimberg), Johannes
Nr. 27 Budion* (Puzion, Putjan, Pution), Johannes
Nr. 28 Pfeifer, Johannes
Nr. 29 Schnitzer, Johann Georg
Nr. 30 Geist, Balthasar
Nr. 31 Hensler* (Gensler), Lorenz
Nr. 32 Lindwurm* (Landwurm, Lintarm), Johannes
Nr. 33 Hessel* (Gessel), Johann Georg
Nr. 34 Weigant, Andreas
Nr. 35 Wilhelm, Johannes
Nr. 36 Paterdill, Johann
Nr. 37 Teschke* (Tetschki, Tetschke), Martin
Nr. 38 Eichner, Jacob
Nr. 39 Schwendner* (Schweider, Schwentner, Schweltner, Schwindner), Conrad
Nr. 40 Schillinger* (Schelinger, Schilinger), Peter
Nr. 41 Steppner* (Stepner), Lorenz
Nr. 42 Fach, Reinhardt
Nr. 43 Lautenschläger, Caspar
Nr. 44 Plank* (Blank), Johann Adam
Nr. 45 Rohn* (Roch, Rock), Michel
Nr. 46 Kalteis, Leonhardt
Nr. 47 Schnitzer, Johannes
Nr. 48 Kafenberger, Nicolaus
Nr. 49 Schellenberger*(wie Nr. 26), Nicolaus
Nr. 50 Grittentaler* (Grittentaller, Gruntentaler), Johannes
Nr. 51 Meyer* (Meier), Caspar
Nr. 52 Schwendner* (wie Nr. 39), Johann
Nr. 53 Melz* (Melzel), Johann Georg
Nr. 54 Beckerle* (Becker), Caspar
Nr. 55 Gittel* (Kittel), Michel
Nr. 56 Ahmann* (Amann), Matthias
Nr. 57 Sutter, Thomas
Nr. 58 Lange (Linge), Johannes
Nr. 59 Scheftner, Georg
Nr. 60 Schwendner* (wie Nr. 39), Johann Georg
Nr. 61 Glass* (Glas), Michel
Nr. 62 Baumann, Leonhardt
Nr. 63 Habermeyer* (Gabermeier), Johannes
Nr. 64 Kuhmann* (Luman), Adam
Nr. 65 Schweiger, Leonhardt
Nr. 66 Kratzer* (Krau/z/er), Johann Georg
Nr. 67 Eickenseher* (Eigenseer, Eugenseher, Eigenseher), Johannes
Nr. 68 Illenser, Georg
Nr. 69 Brackelmeyer, Thomas
Nr. 70 Thonhauser* (Tonhauser), Georg Simon
Nr. 71 Nichtel, Peter
Nr. 72 Steid* (Steier, Steger, Steiger), Johann Georg
Nr. 73 Habermeyer* (Habermeier, Gabermeier), Andreas
Nr. 74 Loht* (Lutz), Andreas
Nr. 75 Bleicher, Bernhardt
Nr. 76 Jung, Adam
Nr. 77 Merckel, Johann
Nr. 78 Tauberg, Johannes

Dass ich, anstatt derjenigen, die nicht unterschreiben können, diesen Kontrakt auf ihre Bitte hin unterschrieben habe, bestätige ich hiermit

franziskanischer Pater Ernestus Kiel Bruno.

 

Der oben abgeschlossene Kontrakt wurde als das rechtlich allerhöchste bestätigte Dokument für alle Siedlungen des Ingermanlandes in der ausländischen Kanzlei vorgelegt und aprobiert.

Kollegienrat Michael Lodyschensky

 

Derselbe Kontrakt wurde am 1. September 1767 mit 4 Kolonisten-Handwerkern, die Ackermänner zu sein wünschen, abgeschlossen und zwar mit:

          Nr. 79 Sebastian Schottern* (Schotter), Müller

        Nr. 80 Michael Weininger, Müller

                   Nr. 81 Bartholomäus Wirtel* (Wittel, Werter), Seilmacher

                        und dem von der ausländischen Kanzlei mit Ausweis entlassenem

Nr. 82 Lorenz Eisenschmidt